Wichtige Eigenschaften des (ersten) Kinderfahrrades bis 18 Zoll

Auch wenn alle 12-18 Zoll großen Kinderfahrräder nach der DIN 79110 verkehrsrechtlich als "Spielzeug" eingeordnet werden, sollten Sie beim Kauf eines -deswegen so genannten- Spielfahrrades wesentliche Qualitäts- und Sicherheitskriterien beachten. Auf folgende Eigenschaften sollten Sie bei der Auswahl eines 12-18 Zoll großen Kinder- bzw. Spielfahrrades Wert legen:

Bedenken Sie bitte auch, daß Kinder mit Spielfahrrädern rechtlich den Fußgängern gleichgestellt sind. Spielräder sind nach dem deutschen Verkehrsrecht keine Verkehrsmittel und dürfen weder auf Fahrbahn noch auf Radwegen benutzt werden - auch nicht in Ihrer Begleitung (Ausnahme sind die sogenannten "Spielstraßen"). Benutzen Sie daher gemeinsam -mit viel Obacht und in angemessener Geschwindigkeit- stets Gehwege und Bürgersteige.

Wichtige Merkmale / Einstellungen am Spielfahrrad

Rücktritt- und kindgerechte Felgenbremse am Vorderrad

An jedem Kinderfahrrad bis mindestens 20 Zoll sollten sie eigentlich obligatorisch sein: Die Rücktrittbremsnabe und die Felgenbremse am Vorderrad. Während man bei der Rücktrittbremse eigentlich nichts falsch machen kann, sollte man bei der Felgenbremse auf eine kindgerechte Leichtgängigkeit und Bedienbarkeit achten (bei uns im Shop bei allen Herstellern). Kinderhände sind häufig noch nicht so groß und kräftig, daß Sie den Bremsgriff gut greifen und auch anziehen können. Gerade Billighersteller bzw. -importeure verwenden hier häufig vollkommen untaugliche Erwachsenen-Komponenten aus Massenproduktion. Achten Sie deshalb auf eine kindgerechte Ausführung mit nach Möglichkeit einstellbarem Bremsgriff.

Rahmen mit tiefem Durchstieg

Ein Rahmen mit einem tiefem Durchstieg bzw. Einstieg -häufig als Rahmenhöhe angegeben- ermöglicht es dem Kind nicht nur leichter auf- und abzusteigen, vielmehr kann es in kritischen Fahrsituationen auch leichter vom Kinderfahrrad abspringen. Vernachlässigen Sie daher bitte die übliche Unterteilung in Jungenfahrrad (mit Oberrohr) und Mädchenfahrrad (ohne Oberrohr) im Bereich der Spielfahrräder.

Verstellbarkeit von Sattel- und Lenkerhöhe und -neigung

Über die perfekte Rahmengeometrie und ideale Sitzposition -auch bei Kinderfahrrädern- wurden schon zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen und Doktorarbeiten geschrieben. Soweit wollen wir hier nicht gehen. Wichtig sind vor allem ein genügend großer Verstellbereich für die Sattelhöhe (12-14 Zoll: >6 cm / 16 Zoll: >8 cm / 18 Zoll: >10 cm), um eine möglichst lange Nutzungszeit des Fahrrades zu gewährleisten.

Ebenso und entsprechend in den Maßen sollte auch der Lenker in der Höhe anzupassen sein. Damit allerdings bei steigender Körpergröße die Sitzposition nicht zu aufrecht wird, ist es von Vorteil, daß auch die Neigung des Lenker(-bügel)s eingestellt werden kann. Erreicht werden kann dies allerdings auch durch einen längeren Vorbau. Auch diese Einstellmöglichkeit kann die Nutzungszeit Ihres (Spiel-)Fahrrades um einiges verlängern.
(Lesen Sie mehr dazu: Einstellen der richtigen Sattel- und Lenkerhöhe)

Geschlossener Kettenschutz aus Kunststoff

Achten Sie auf einen voll umschließenden Kettenschutz an Ihrem Kinderfahrrad. Nicht nur, dass Wasch- und Energiekosten eingespart werden, auch die Gefahr, dass sich die Hose richtig verfangen kann und es zu Stürzen kommt ist damit ausgeschlossen. Das Material der Wahl sollte aus Gewichtsgründen Kunststoff sein - in keinem Fall ein scharfkantiges Blech.

Reifenbreite 47 mm / 1,75 Zoll

Kinderfahrradreifen, insbesondere an Spielrädern müssen griffig sein und sollten Fahrstöße gut abfedern können. Bewährt und am Markt durchgesetzt haben sich 47er Reifen, die heute an fast allen Spielfahrrädern zu finden sind und bei einem Reifendruck von 2,5-3,0 bar (vorne) und 3,0-3,5 bar (hinten) die Anforderungen gut erfüllen. Reifenbreiten von unter 37 mm an Spielfahrrädern sollten Sie in jedem Fall vermeiden.

Lichtanlage ist nicht erforderlich

Eine Lichtanlage am Spielfahrrad ist weder vorgeschrieben noch erforderlich und wird deshalb in aller Regel von den Herstellern aus Kostengründen auch nicht angeboten. Auch aus Gewichtsgründen ist von einer Lichtanlage bei Spielfahrrädern eher abzuraten, da sie das äußerst ungünstige Verhältnis von Größe zu Gewicht weiter verschärfen würde.

Trotzdem gibt es natürlich in der Praxis Situationen, in denen eine bessere Sichtbarkeit auch für ein Spielfahrrad wünschenswert wäre. Und wenn Ihnen Wimpel, Mäntel mit Reflektorstreifen oder zusätzliche Reflektoren nicht ausreichen, so ist es bestimmt nicht verkehrt, das Kinderfahrrad bei Bedarf für kurze und planbare Einsätze mit Akku-Leuchten auszustatten. Seien Sie sich aber bitte im klaren darüber, daß das Spielfahrrad dadurch nicht zum verkehrstauglichen Alleskönner avanciert und die Einsatzorte sich weiterhin auf Vorgarten und Gehweg beschränken. Von einer dynamogetriebenen Lichtanlage an einem Spielfahrrad raten wir ab, da die ohnehin schon geringe Leistung des Kindes durch den noch höheren Rollwiderstand zusätzlich geschwächt wird.
(Lesen Sie mehr dazu: Die Lichtanlage am Kinderstraßenfahrrad)

Gangschaltung am Spielfahrrad nicht sinnvoll

Spielfahrräder bis 18 Zoll sind dafür gedacht, der Altersgruppe der 3-6 Jährigen auf spielerische Art und Weise das Radfahren näher zu bringen. In diesem Alter sind die Kinder noch nicht in der Lage mehrere Bewegungsabläufe zu koordinieren oder gar komplexe Verkehrssituationen adäquat zu erfassen. Die Ausstattung eines Spielfahrrades sollte sich daher auf das wesentliche beschränken und jede Komponente und jedes Zubehörteil aussparen, welches die Kinder vom eigentlichen Fahren, Lenken und Bremsen ablenkt.

Eine Gangschaltung gehört zu dieser verzichtbaren Ausstattung und wird in seiner Wirkung gerade bei Spielfahrrädern häufig überschätzt. Sie würde das Gewicht des Spielfahrrades -ganz gleich, ob Ketten- oder Nabenschaltung- weiter nach oben treiben und die subjektiv wahrgenommene Fahrerleichterung effektiv wieder aufheben.
Lassen Sie sich also nicht blenden von irreführenden Angeboten und auch nicht überreden von Ihren Kindern. Gehen Sie auf Nummer sicher und warten (mindestens) bis zum 20 Zoll Fahrrad ab, um über eine (kleindimensionierte) Gangschaltung nachzudenken.


Lesen Sie weiter: Kinderfahrräder ab 20 Zoll im Straßenverkehr