Gut gewappnete Kinderfahrräder im Straßenverkehr ...

In aller Regel sollten Kinderfahrräder ab 20 Zoll als sogenannte Kinderstraßenräder entsprechend der Straßenverkehrzulassungsordnung (StVZO) ausgestattet und für den Straßenverkehr zugelassen sein. Fragen Sie aber bitte bei Ihrem Händler konkret nach, ob tatsächlich alle Anforderungen erfüllt sind - vor allem im Segment der Mountainbikes für Kinder gibt es einige Ausnahmen.
Mit der vorgeschriebenen Ausstattung soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass die Altersgruppe der 6-8 Jährigen, für die diese Fahrräder konzipiert sind, zunehmend am Straßenverkehr teilnimmt und somit ausreichend und gut dafür gerüstet sein soll. Auch in unserern Shopkategorien 20 Zoll Kinderfahrräder und 24 Zoll Kinderfahrräder finden Sie einige Modelle, die den gesetzlichen Erfordernissen nicht gerecht werden. Häufig können diese aber straßenverkehrstauglich nachgerüstet werden - fragen Sie am besten bei uns nach.
Als "verkehrssichere" Ausstattung eines (Kinder-)Straßenfahrrades schreibt die StVZO folgende Komponenten zwingend vor:

Vorgeschriebene Ausstattung nach StVZO

Bremsanlage

Zwei voneinander unabhängig wirkende Bremsen
(Können zwei Felgenbremsen vorn und hinten sein - oder auch eine Kombination mit der Rücktritt-Bremse)

Lichtanlage und Reflektoren

Einen Dynamo als Energiequelle
(Naben-, Speichen-, oder der klassische Seitendynamo sind zugelassen - Batteriebetriebene Lichtanlagen sind nur für Rennräder unter 11 kg zugelassen!)

Beleuchtung vorn:
Weiße Leuchte / Scheinwerfer
Weißer Rückstrahler / Reflektor

Beleuchtung hinten:
Rote Schlußleuchte
Roter Rückstrahler / Reflektor
Roter Großflächenrückstrahler / Reflektor

Weitere Reflektoren:
2 x 2 Gelbe Rückstrahler an den Pedalen
2 x 4 Gelbe Rückstrahler an den Rädern
(Klemmreflektoren zwischen den Speichen oder Rückstrahlende Speichen oder (hier darf es auch weiß sein!) Reflexionsstreifen an den Reifenmänteln)

Akustische Signalausstattung

Helltönende Glocke (Klingel)

Und auch das sollten Sie unbedingt beachten:

Kinder unter 8 Jahren müssen grundsätzlich auf dem Gehweg bzw. Bürgersteig fahren - unabhängig vom Fahrradtyp und/oder dessen Ausstattung. Nur wenn ein Gehweg nicht vorhanden ist, darf die Fahrbahn benutzt werden. Im Alter von 8 und 9 Jahren dürfen Kinder zwischen Gehweg und Fahrbahn/Radweg frei wählen. Ab dem Alter von 10 Jahren müssen Kinder die Fahrbahn oder den Radweg benutzen.

Es gibt natürlich noch weitere, charakteristische Ausstattungsmerkmale eines (guten) Kinderstraßenrades. Auch wenn diese Ausrüstungen nach StVZO nicht vorgeschrieben sind, so haben einige doch eine sicherheitsrelevante Bedeutung für Kinderfahrrad und Radler. Lesen Sie nachfolgend unsere grundsätzlichen Empfehlungen zu den relevanten Komponenten, Merkmalen und Einstellungen.

Merkmale und Empfehlungen zum Kinderstraßenfahrrad (ab 20 Zoll)

Geeignete Körpergröße bzw. Schrittlänge für das 20 Zoll Kinderfahrrad

Im Regelfall ist ab einer Körpergröße von ca. 115 cm und einer Schrittlänge (Innenbeinlänge) von etwa 51 cm das Fahren mit einem 20 Zoll Kinderstraßenrad möglich. Wichtig ist aber auch hier das eigenständige Messen und der Abgleich mit der einstellbaren niedrigsten Sattelhöhe am zukünftigen Kinderfahrrad (siehe auch Tabelle: Schrittlänge als Maß für die Wahl des Kinderfahrrades / So messen Sie richtig!).

Entscheidende Qualitätsmerkmale sind -wie bei allen Kinderfahrrädern- die Möglichkeiten und Bandbreiten der Einstellung von Sattelhöhe und Lenkerhöhe und -neigung. Sie bestimmen nicht nur, ob Ihr Kind auf dem 20 Zoll Straßenrad eine ergonomisch sinnvolle Position einnehmen kann, sie legen auch die Nutzungsdauer des Fahrrades fest - und die sollte bei einem vernünftigen 20 Zoll Fahrrad mindestens 2 Jahre, manchmal sogar 3 Jahre betragen.

Geeignete Rahmen und Rahmenformen für das Kinderfahrrad

Für ein fahrgeübtes und bewegungssicheres Kind, das sein Kinderrad auch im Gelände sicher beherrscht und für das der Ampelstop schon zur Selbstverständlichkeit geworden ist, kann die Wahl eines sogenannten "Knabenrahmens" mit hohem Oberrohr -insbesondere bei 24 Zoll Rädern- durchaus vertreten werden. Überwiegt allerdings noch das vorsichtige Herantasten an den Straßenverkehr, sollten Sie sich eher für den tieferen Durchstieg eines sogenannten "Mixed-, Unisex- oder auch Cityrahmens" entscheiden. Qualitätsorientierte Hersteller von Kinderstraßenrädern setzen vernünftigerweise in der 20 Zoll Größe fast ausschließlich letztgenannte Rahmen ein. Ein Kompromiss könnte ein stark abfallendes Oberrohr sein, dass die Einstiegs- bzw. Ausstiegshöhe akzeptabel verringert.

Aus Gewichtsgründen sind natürlich leichtere Rahmen bei den eh schon viel zu schweren Kinderfahrrädern zu bevorzugen. Vergleichen lohnt sich dennoch in jedem Fall, denn manchmal kann auch die Stahlvariante durchaus attraktiv sein. Schließlich sind die Gewichtsunterschiede zwischen Alu- und Stahlrahmen bei Kinderrädern wegen des geringeren Volumens verständlicherweise nicht so eklatant wie bei Erwachsenenrädern.

Hochwertige Kugellager - Dauerhafte Schraubverbindungen

Sowohl die Naben an Vorder- und Hinterrad als auch das Lenkkopflager, Tretlager und Pedallager sollten vernünftige metallische Kugellager sein. Sogenannte Kunststoffgleitlager, wie Sie Billighersteller gerne für das Lenkkopflager verwenden, haben am Kinderfahrrad nichts zu suchen. Achten Sie zudem darauf, daß das Tretlager weder ein Keil-Tretlager noch ein einteiliges, meist minderwertiges Tretlager ist. Vernünftiger Standard an Kinderrädern sind die Vierkantlager.

Achten Sie darauf, daß Lenker, Sattelklemmschelle und Vorder- und Hinterachsradnabe durch dauerhafte Schraubverbindungen befestigt sind. Schnellspanner, die "mal eben" von Kinderhänden gelöst werden könnten, haben an Kinderfahrrädern nichts verloren.

Einstellen von richtiger Sattel- und Lenkerhöhe

Wie auch bei den kleineren Kinderfahrradgrößen ist der unmittelbare und beidfüßige Bodenkontakt des im Sattel sitzenden jungen Radfahrers von immenser Bedeutung - Lesen Sie dazu: Die richtig eingestellte Sattelhöhe und Lenkerhöhe).

Gangschaltung am Kinderstraßenfahrrad

Für die Altersgruppe ab 6 Jahre und einer Fahrradgröße von 20 Zoll kann eine Gangschaltung durchaus Sinn machen. Vorausgesetzt Sie ist so dimensioniert und beschaffen, daß Sie von Ihrem Kind auch bedient werden kann. Häufig ist das noch nicht der Fall.

Mit einer Gangschaltung können Anstiege leichter bewältigt, hohe Geschwindigkeiten besser gehalten und ein optimales Verhältnis von Kraft und Trittfrequenz erreicht werden. Was beim Rumgurken in der Wohnstraße nur pure Spielerei ist, kann bei der gemeinsamen Familien-Radtour im hügeligen Gelände aber schnell zum Vorteil werden. Erst recht wenn Sie häufiger solche Ausflüge machen, sollten Sie Ihrem Kind "seine" Gangschaltung gönnen - schließlich haben Sie auch eine! Zwar wird das Kinderstraßenrad dadurch (noch) schwerer, doch der psychologische und motivationstechnische Vorteil wiegt das meist locker wieder auf.

Um die geeignete Gangschaltung für Ihr Kind auszuwählen, sollten Sie sich Einsatzzweck und Nutzungsgrad genau anschauen. Wird das Kinderfahrrad vornehmlich als Gebrauchsgegenstand bei den alltäglichen Fahrten zur Schule, zum Einkauf und zum Sportverein strapaziert und nicht wirklich gehegt und gepflegt, sollten Sie sich für eine solide und wartungsarme Technik mit einer Nabenschaltung (3-7 Gänge) entscheiden. Ist Ihr Kind allerdings rennsportbegeistert, wollte immer schon viel lieber ein Rennrad haben und der regelmäßige gründliche Sicherheitscheck nur Formsache, so spricht auch nichts gegen die Kettenschaltungstechnik und Freilaufnabe im Hinterrad. Mit mehr als 14 Gängen bzw. 2 Kettenblättern vorn sollten Sie Ihr Kind allerdings nicht überfordern. Außerdem muss sichergestellt sein, daß der Umgang mit den empfehlensweten hochwertigen Cantileverbremsen für eine sichere Bremsverzögerung mühelos beherrscht wird.

Die geeignete Bremsanlage

Ähnlich wie bei der Gangschaltung, sollte sich auch die Auswahl der geeigneten Bremskomponenten am Einsatzzweck orientieren. Wird das Fahrrad demnach nicht als hochwertiges Sportgerät verwendet, sondern -wie in 99% aller Fälle- als Kinder-Alltagsfahrrad benutzt, so sollten Sie sich für eine wartungsfreundliche und witterungsunabhängige Lösung entscheiden und eine Rücktrittbremsnabe wählen. In Kombination mit einer, besser zwei hochwertigen Handbremsen (V-Brakes) für Vorder- und Hinterradfelge hat Ihr Kinderfahrrad eine optimale Funktionalität.
Der Handbremshebel sollte ergonomisch geformt und für Kinderhände entsprechend leicht bedienbar sein. Der Griffweitenabstand sollte nach Möglichkeit einstellbar sein.

Lichtanlage und Reflektoren

Die (dynamobetriebene) Lichtanlage ist ganz allgemein, vor allem aber auch bei vielen Kinderfahrrädern, ein Schwachpunkt. Viele Seitendynamos sind schwergängig und für Kinder nur mit großer Anstrengung zu betätigen. Die Gefahr, den Dynamo heran- und wieder wegzubiegen bis er abbricht ist vorhanden. Der Nabendynamo, als sehr gute Alternative ist sehr teuer und wird noch zu selten angeboten (Fragen Sie uns aber gern nach einer Umrüstung Ihres Wunschfahrrades!).

Häufigste Problemstelle bei der Kinderfahrrad-Lichtanlage ist eine abgerissene Verkabelung, meistens einhergehend mit Korrosion an minderwertig verarbeiteten Kontaktstellen. Achten Sie deshalb auf eine fest verlegte und zweiadrig (+/-) ausgeführte Stecksystemverkabelung, die auch bei Beschädigung ohne große Mühen und am besten auch provisorisch wieder hergestellt werden kann. Deshalb sollten auch Kabelverlegungen innerhalb des Rahmens grundsätzlich ausscheiden.

Achten Sie auch unbedingt darauf, daß der Dynamo am Hinterbau (und nicht an der Gabel) stabil und stoßsicher befestigt ist. Ein Dynamo in den Speichen des Vorderrades kann zu gefährlichen Stürzen führen. Aus selben Grund sollten auch die Speichenreflektoren in Vorder- und Hinterrad Ihres Hinterrades regelmäßig auf festen Sitz überprüft werden. Überzeugen Sie sich bei einer Neuanschaffung bzw. Lieferung, dass auch alle Reflektoren wie von der StVZO gefordert, vorhanden sind.

Akustische Signale - wenn die Glocke ertönt ...

Eine robuste und leicht zu bedienende Klingel oder Glocke sollte an keinem Kinderfahrrad fehlen. Das klassische Klingelgeräusch wird von Fußgängern und anderen Radfahrern immer noch am besten verstanden: "Hier komme ich!". In wirklich brenzligen Situationen -insbesondere im Zusammenhang mit Autos- dürfte Sie allerdings kaum zum Einsatz kommen, denn da sollten die Kinder Lenker und Bremse fest im Griff haben und sich eher durch lautes Schreien bemerkbar machen.
Auf größere Tierkopfhupen oder ähnliche Glocken als einzige Signalgeber sollten Sie indes verzichten. Sie machen ein Greifen und kurzzeitiges einhändiges Fahren erforderlich, was insbesondere die kleineren Radfahrer ablenkt und in entscheidenden Situationen Gefahren birgt.

Lenkergriffenden - Kettenschutz - Schutzbleche - Gepäckträger

Auch bei Kinderstraßenrädern sollten die Griffenden des Lenkers mit Sicherheitsgriffen ausgestattet sein. Die vergrößerte Prallfläche an den Griffenden hilft (Bauch-)Verletzungen beim Fallen zu vermeiden. Achten Sie auf einen drehfesten Sitz dieser Griffe.

Die vollständige Kapselung der Kette kann bei Kinderstraßenrädern zugunsten eines normalen Kettenschutzes aufgegeben werden. Die Gefahr eines Eingriffs in die laufende Kette bei der Altersgruppe ab 6 Jahre besteht nur noch selten. Achten Sie aber in jedem Fall auf einen Kettenschutz aus Kunststoff, der den vorderen Antrieb und den Kettenoberlauf wirksam und solide schützt.

Schon aufgrund der Allzwecktauglichkeit bei Kinderfahrrädern sollten sowohl Vorder- als auch Hinterrad mit stabilen und sicher befestigten Schutzblechen als Spritzschutz ausgestattet sein.

Das Kinderfahrrad sollte mit einem robusten und tragfähigen Gepäckträger ausgestattet sein. Ist das "Hintendrauffahren" von Freunden gerade hoch im Kurs oder sollten Sie einen längeren Fahrradurlaub mit (natürlich nicht zu schwerem) Gepäck planen, kann ggf. ein Austausch nötig bzw. sinnvoll sein.


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