Kinderfahrradhelme – der unterschätzte Schutz

Schau‘ ich mir die Kinder-Unfallstatistik des ADAC der zurückliegenden 15 Jahre an (1990 – 2005), läuft es mir nach wie vor kalt den Rücken herunter. Zwar ist die Zahl der insgesamt im Straßenverkehr verunglückten Kinder in diesem Zeitraum immerhin um fast 30 Prozent gesunken. Getrübt wird dieser Wert jedoch durch die Tatsache, dass fahrradfahrende Kinder die weiterhin gefährdetste Teilnehmergruppe im Straßenverkehr ist. So ging im selben Zeitraum die Zahl der verunglückten Kinder auf dem Fahrrad auch nur um knapp 19 Prozent zurück.

Verunglückte Kinder auf Deutschlands Straßen
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung www.adac.de

Selbst mittelmäßige Verkehrspolitik kann unsere Köpfe nicht schützen

Fahrradfahrer sind in unserer Verkehrsgesellschaft Teilnehmer zweiter Klasse, da sollte sich niemand etwas vormachen. Die Infrastruktur, die Führung und der Zustand von Radwegen, insbesondere in den großen Städten, sprechen allzu häufig eine Sprache, die das Wort Sicherheit nicht kennt. Schon gar nicht für Kinder. Was also bleibt?

Nur etwa ein Drittel der Kinder bis 10 Jahre trägt einen Fahrradhelm

Wir müssen uns und unsere Kinder vor den oft unerwarteten Gefahren schützen. Und wenn die inneren Antriebe zur Anschaffung eines Helmes auch recht klein ausfallen (kostet Geld, ist unpraktisch und schließlich auch nicht vorgeschrieben!) – wir sollten uns und unsere Kinder umgewöhnen. Nicht mit Starrsinn und Dogmatismus – aber überall dort, wo Asphalt, Bordsteinkante und Autoblech mit im Spiel sind, sollte der Kopfschutz zur Selbstverständlichkeit werden. Und bis dahin ist der Weg für die vorbildgebenden Eltern (mich eingeschlossen) meist viel weiter als für die Kinder selbst!

Fahrradhelm anstatt Klingel!

Bevor Sie also 10 EUR für die putzige Fahrradglocke mit Lillifee-Motiv ausgeben und den Kinderfahrradhelm noch nicht einmal auf dem Zettel hatten – halten Sie inne und schwenken Sie um! Investieren Sie das Geld stattdessen lieber und zuallererst in einen effektiven und unmittelbaren Verletzungsschutz Ihrer Kinder. Selbst Lidl (und an dieser Stelle sei die Webung für dieses zweifelhafte Unternehmen, auf das aber so viele angewiesen sind, erlaubt!) bot unlängst einen Fahrradhelm für Kinder zum Preis von 7 EUR an, der sich in puncto Qualität im Vergleich zu Markenhelmen durchaus sehen lassen konnte. Schauen Sie sich also um – wenn Sie mögen, auch bei unseren Kinderfahrradhelmen im Shop – und lassen Sie die Fahrradklingel ein schönes Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk der Großeltern sein …!

5 Gedanken zu „Kinderfahrradhelme – der unterschätzte Schutz“

  1. Hallo Jens,

    da kann ich Dich beruhigen: Ein Mütze unterm Helm bedeutet nicht automatisch ein Sicherheitsrisiko!
    Wichtig ist allerdings unbedingt, dass der Helm richtig sitzt und nicht hin- und herrutscht! Moderne (Kinderfahrrad-)helme haben ein flexibles Verstellsystem sowohl für den Kopfumfang als auch für den Kinnriemen. Ob dieser Verstellbereich allerdings den zusätzlichen Umfang beim Tragen einer Wollmütze uterm Helm noch auffängt ist fraglich und musst Du ausprobieren! Kompromisse solltest Du aber in jedem Fall vermeiden! Dann kauf‘ Dir lieber gleich einen größeren Helm für die Mützenvariante … Deine Tochter -wenn sie größer ist- wird ihn später ja auch noch ohne Mütze wieder tragen können!
    Andere Alternative: Dünnere Baumwollmütze unter dem Helm tragen und winddichten Helmüberzieher nutzen. Wenn Du sie kaufst, sind die zwar recht teuer (Neopren, Goretex …), aber wer kreativ ist, kann auch schönen gewachsten Baumwollstoff nehmen und selbst nähen: Klappt auch!

    Liebe Grüße
    Nina

  2. Ich habe eine Frage ! Und zwar, ob sich unter einem Fahrradhelm auch eine Wollmütze befinden darf?? Unsere kleine ist jetzt fast 2 Jahre alt ( jung 🙂 , und hat jetzt im Winter immer eine Mütze auf. Dann, wenn es auf dem Kindersitz am Fahrrad sitz, bekommt es noch den Sicherheitshelm oben auf. Behindert das die Sicherheit ???? Wer hat darauf eine Antwort ??
    Vielen Dank
    Jens Schumann

  3. „Das mittlere Schädel-Hirn-Trauma kann als typisches Trauma des verunfallten
    Fahrradfahrers angesehen werden. Die handelsüblichen Fahrradhelme schützen
    nicht hinreichend gegen höherenergetische Unfallmechanismen, denen mittlere
    und schwere Schädel-Hirn-Traumata folgen.“

    „Hinsichtlich der Schwere des Schädel-Hirn-Traumas findet sich allerdings
    kein signifikanter Verteilungsunterschied zwischen den Patienten, die
    behelmt mit dem Fahrrad verunfallten, und denen ohne Helm. Bei
    entsprechender Schutzwirkung eines Fahrradhelmes würde man eine
    Umverteilung zugunsten der weniger schweren Schädel-Hirn-Traumata
    erwarten.“

    aus: Frank Thomas Möllmann: Epidemiologie, Unfallursachen und akutklinische
    Initialversorgung beim Schädel-Hirn-Trauma — Eine regionale
    multizentrische prospektive Studie zur Versorgung
    Schädel-Hirn-traumatisierter Patienten in der Bundesrepublik Deutschland,
    Dissertation, Universitätsklinikum Münster, 2006

  4. Schau ich mir die Kinder-Unfallstatistik des ADAC der zurückliegenden 15 Jahre an, stelle ich fest, daß die Unfallzahlen von zu Fuß gehenden und von Rad fahrenden Kindern gleichermaßen zurückgehen. Würden Fahrradhelme, die beim Gehen ja nicht getragen werden, einen Einfluß auf die Unfallschwere haben, müßte die Zahl der verunglückten radfahrenden Kinder anteilig stärker abgenommen haben als die der zu Fuß gehenden. Hat sie aber nicht. Es gibt trotz im gezeigten Zeitraum zunehmender Helmnutzung nicht weniger unverletzte radfahrende Kinder. Danke an den ADAC für einen weiteren Nachweis der Unwirksamkeit von Fahrradhelmen als Unfallschutz.

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