Kinder zum Radfahren bewegen!Es gibt nicht wenig öffentlich geförderte Projekte, die Kindern und Jugendlichen das Fahrradfahren schmackhaft machen sollen. Leider gelingt es nur wenigen dieser Projekte ihren Modellcharakter abzulegen und nachhaltige Wirkung zu entfalten. Einen hoffentlich anderen Weg  nimmt das Projekt “RADschlag“, ein Fahrrad- und Infoportal für Kindergärten, Schulen, Vereine und Familien.

Im Oktober 2009 sind der ACE Auto Club Europa e.V., das Institut für Natursport und Ökologie, die Deutsche Sporthochschule Köln und der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD)  mit einem Gemeinschaftsprojekt gestartet, welches vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gefördert und vom RadClub Deutschland unterstützt wird. Ein Blick auf die Website lohnt sich, insbesondere für Multiplikatoren und Akteure, die die Fahrradförderung bei Kindern in Kitas und Schulen zum Ziel haben.

Große Datenbank mit vielen für eine bessere Kindermobilität!

Beeindruckt hat uns vor allem auch die sehr übersichtliche und stark gewachsene Datenbank, die viele Informationen und Anregungen für Pädagogen und andere Entscheidungsträger zum Download bereithält. Über 500 gut recherchierte Links, Arbeitsblätter und Broschüren sind zielgruppengerecht aufgearbeitet und bilden eine hervorragende Grundlage für die tägliche praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Also, schaut mal rein und empfehlt weiter:

http://www.radschlag-info.de/startseite.html 

Euer _blog


Suchbegriffe für diesen Beitrag: | | | | |

Es geht auch ohne Stützräder!Es ist schon erstaunlich, wie lange und hartnäckig sich manche Rituale halten. Besonders im Bereich der Pädagogik gibt es scheinbar eine ganze Reihe solcher Regeln und Handlungen, die entweder “schon immer richtig waren” oder aber zumindest “so schlimm nicht sein können”.
Nein, ich möchte jetzt nicht auf den Fall des Bischofs Mixa eingehen – uns geht es um viel prophanere Dinge: Warum, zum Teufel, gibt es eigentlich immer noch Stützräder?

Mein Opa, mein Vater, ich, meine Kinder und bestimmt auch meine Enkel …

… haben Stützräder benutzt oder werden sie benutzen. Der Umstand, dass Stützräder am schon seit Generationen zum Einsatz kommen, spielt sicherlich eine entscheidende Rolle. Wie mensch selbst an Dinge herangeführt wurde, mit welcher Methodik Lehrinhalte vermittelt wurden (die auch zum Ziel geführt haben!) – von alldem können wir uns nicht einfach befreien, selbst wenn wir wissen, dass es mittlerweile viel überzeugendere und bessere Wege und Lernmodelle für unsere Kinder gibt, als noch vor 50 Jahren. Das ganze ist ein Prozess, bei dem die theoretischen und objektiven Wahrheiten erst nach und nach die erlebten und subjektiven Wahrheiten ablösen können.
Auch dieser Blogbeitrag will diesen Prozess unterstützen, Überzeugungsarbeit leisten und Mut machen, zukünftig auf Stützräder zu verzichten. Wir würden uns freuen, wenn wir den einen oder anderen Elternteil erreichen, der gerade vor der nicht einfachen Aufgabe steht, ein Kinderfahrrad zu kaufen und sich so seine Gedanken macht. Vielleicht können diese Zeilen eine Hilfe sein und ein wenig Orientierung geben.

“Haben Sie auch Stützräder für das Fahrrad? Das ist uns schon sicherer!”

So oder ähnlich lauten viele Anfragen besorgter Eltern, die uns im Onlineshop kinderfahrradladen.de telefonisch oder per eMail erreichen. Oft stellen wir dann im Gespräch oder bei Nachfragen fest, dass die Kinder, für die ein Kinderfahrrad gekauft werden soll, quasi über keine motorischen Vorerfahrungen auf zwei Rädern verfügen. Weder Roller noch Laufrad haben in der Bewegungsentwicklung dieser Kinder eine Rolle gespielt, allenfalls Bobby Car, Dreirad oder KettCar. Es liegt auf der Hand, dass diese Eltern, die vielleicht gesehen haben, was für eine wackelige und unsichere Angelegenheit es war, als ihr größer gewordenes Kind (aus bloßer Neugier) das erste Kinderfahrrad (bei Freunden) bestiegen hatte, Stützräder als naheliegendste und beste Lösung erachten. Das Gegenteil ist der Fall.

Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung!

Eltern sollten Ihren Kindern dazu verhelfen, eine möglichst vielfältige Bewegungsentwicklung zu erfahren. Sie sollten ihren Kindern Räume und Zeiten schaffen, in denen sie sich und ihren Körper kennenlernen, ausprobieren können und einzuschätzen beginnen. Bewegungserfahrungen spielen nicht nur für die körperliche, sondern auch für eine gesunde seelische und geistige Entwicklung eines jeden Kindes eine zentrale Rolle. Dabei ist es keineswegs so, dass nur Kinderfahrzeuge diese Erfahrungen ermöglichen können. Das Baumklettern, Trampolin- und Seilspringen und auch das erlebte Körpergefühl im Wasser des Plansch- oder Schwimmbeckens legen mit die Grundsteine für Selbstsicherheit und Selbstvertrauen im weiteren Leben.

Dennoch nehmen Kinderfahrzeuge in der heutigen Bewegungswelt der Kinder natürlich eine besondere Stellung ein: Kinderfahrzeuge sind transportabel, lassen sich universell einsetzen (Spielstraße Spielplatz, Garten und ggf. auch in der Wohnung) und sind damit alltagskompatibel im Leben heutiger junger Familien. Insbesondere in den immer beengteren und begradigteren Großstädten ist das Fahren von Kinderfahrzeugen häufig leider schon die nahezu einzige regelmäßige körperliche Betätigung von Kindern. Deshalb gilt ihnen ein besonderes Augenmerk.

Laufrad und Roller – mit ganz viel Spaß zum Gleichgewicht!

Betrachten wir ausschließlich Kinderfahrzeuge, so sieht eine optimale Lern- bzw. Lernerlebniskette für Kinder zwischen ein und sechs Jahren folgendermaßen aus:

Rutscher – Dreirad – Laufrad und Roller – Kinderfahrrad.

Dabei ist es zunächst vollkommen nebensächlich, wann, welches Fahrzeug zum Einsatz kommt bzw. seinem Kind angeboten wird. Jedes Kind entwickelt sich anders und so ist auch der Zeitpunkt für den nächsten Mobilitätssprung höchst unterschiedlich. Wichtig ist vielmehr, dass nach Möglichkeit die Reihenfolge eingehalten wird, da das Erfahrene und Erlernte beim vorherigen Kinderfahrzeug für das Begreifen, Umgehen und Erlernen des jeweils nachfolgenden Kinderfahrzeugs eine nicht unerhebliche Bedeutung hat. Geht es bei den sogenannten Erstfahrzeugen Rutscher und Dreirad noch ausschließlich um Koordination, um das Kennenlernen von Rollen und Bewegung und um erste Erfahrungen mit dem Lenken (Richtungswechsel) und Treten (es tut sich was!), so kommen bei Laufrad und Roller das Erleben und Erfahren von Geschwindigkeit und Gleichgewicht hinzu.

Und genau hier kommen wir wieder auf das Ursprungsthema zurück: Laufrad und Roller schulen auf ideale Art und Weise den Gleichgewichtssinn und machen Stützräder am Kinderfahrrad komplett überflüssig! Sie werden sehen: Wenn Ihr Kind ausreichend Zeit hatte, mit Laufrad und/oder Roller zu fahren und zu experimentieren, dann ist der Übergang zum Kinderfahrrad ein Klacks und meist innerhalb weniger Minuten vollzogen. Probleme bereiten dann anfänglich allenfalls das Treten, das Auf- und Absteigen und das Bremsen (Rücktritt), welches neu erlernt werden will und für das Sie Ihrem Kind genügend Zeit, (geschützten) Raum und Unterstützung geben sollten.

Stützräder – Feinde eines natürlichen Gleichgewichtsempfindens!

Warum aber sind Stützräder eigentlich so kontraproduktiv und erschweren den Prozess des zweirädrigen Radfahrens? Wie kann ich das physikalisch erklären?

Das statische Gleichgewicht – mit Stützrädern

Ein Kinderfahrrad mit montierten Stützrädern ist mit einem Dreirad vergleichbar. Hier wird das Gleichgewicht statisch erreicht bzw. gehalten. Kinder haben schon beim Laufen lernen erfahren, dass beim Gefühl des Fallens oder Kippens eine Körpergewichtsverlagerung das Gleichgewicht wieder herstellt und Stürze verhindert. Hierbei handelt es sich um eine natürlich entwickelte und wichtige automatische Reaktion des Körpers auf Ungleichgewichtszustände. Beim Fahren mit Stützrädern hat diese automatische Reaktion jedoch keinerlei Auswirkung auf die Position bzw. Kurvenneigung des Fahrrades. Im Gegenteil: Durch die statische Gleichgewichtssituation des Kinderfahrrades mit Stützrädern wird die (natürliche) Körpergewichtsverlagerung als destabilisierend und “wackelig” empfunden. Das Kind lernt deshalb diese Ausgleichsbewegungen zu vermeiden, um für sich die subjektiv beste Kontrolle über das Fahrrad zu erlangen.

Das dynamische Gleichgewicht – ohne Stützräder

Beim Fahrradfahren ohne Stützräder wird das Gleichgewicht dynamisch erreicht. Jede Bewegung erfordert eine Gegen- oder Ausgleichsbewegung um das Gleichgewichtsmodell in Harmonie zu halten. Das stützradgewöhnte Kind muss jedoch nicht nur das gleichgewichtige Radfahren lernen, quasi als Fortsetzung und Weiterentwicklung seiner natürlichen Reaktionen auf Ungleichgewichte. Es muss im ersten Schritt, das zunächst (falsch) erlernte und programmierte Verhalten wieder abtrainieren. Das ist keineswegs unmöglich,  aber eben ungleich schwieriger, langatmiger und nicht selten auch mit (schmerzhaften und deprimierenden) Stürzen verbunden.

Fazit: Verzichten Sie bitte auf Stützräder!

Bereiten Sie sich und Ihrem Kind einen Gefallen und bauen Sie die Dinger wieder ab oder -noch besser- gar nicht erst an. Überzeugen Sie den Händler beim Fahrradkauf davon, dass Sie lieber einen Ständer oder ein Fahrradschloss hätten, die Stützräder kann er behalten! Und wenn das nicht geht oder die Stützräder trotzdem im Lieferumfang des Kinderfahrrades dabei sind: Bauen Sie mit den Rädern einen kleinen Transport- oder Puppenanhänger für das Kinderfahrrad – am besten gemeinsam mit Ihrem Kind. Dann haben die Stützräder am Ende sogar noch einen wirklich schönen Zweck erfüllt …!

Hinweis: Dieser Artikel nimmt an der Blogparade zum Thema Fahrradkauf von Ulrike Wachotsch teil.


Suchbegriffe für diesen Beitrag: | | | | |

Kinder-Fahrrad-Tagebuch als Lehrmaterial Einige Eltern unter Euch werden es schon miterlebt haben: In der 4. Grundschulklasse erfahren unsere Kinder eine Radfahrausbildung, meist in Kooperation mit der örtlichen Polizei. Die fahrpraktischen Übungen auf dem sollen vorbereiten auf die zahlreichen Herausforderungen des Straßenverkehrs. Doch allzu oft findet diese Ausbildung noch ausschließlich im Schonraum eines Verkehrsübungsgeländes oder des großen Schulparkplatzes statt – weit weg von den Tücken eines permanenten Autoverkehrs.

Nicht so in Hamburg. Seit 1992 findet die Radfahrusbildung im wesentlichen im Straßenverkehr statt und die Praxiserfahrungen der Schüler werden im ergänzenden Unterricht reflektiert. Und es ging noch weiter: Im Jahr 2005 wurde ein Arbeitskreis aus Vertretern der Schulen, Polizei, Schulbehörde und Innenbehörde ins Leben gerufen, um die Inhalte der Radfahrausbildung zu prüfen, zu überarbeiten und weiter zu verbessern. Herausgekommen ist als Basis-Lernmaterial das sogenannte “Fahrrad-Tagebuch”, welches im laufenden Schuljahr in Hamburg zum ersten Mal eingesetzt wird und in dieser Form bundesweit einzigartig ist.

Das Fahrrad-Tagebuch setzt in seiner Konzeption vor allem auf nachhaltiges Lernen und nimmt Bezug auf die konkrete Situation des Kindes. Es spricht die Kinder als selbstständige und aktive Radfahrer an, greift ihre täglichen Erfahrungen auf und motiviert sie zum bewussten Radfahren im Stadtteil. Ihre Kinderfahrräder, ihre direkten Verkehrsumgebungen und ihre Erfahrungen sind der Ausgangspunkt ihres Lernens. Individualisiertes und eigenaktives Lernen stehen im Mittelpunkt. Das Fahrrad-Tagebuch motiviert die Kinder mit dem Rad ihren Stadtteil zu erfahren und legt Grundlagen für eine Radfahrnutzung im Jugend- und Erwachsenenalter.

Erste Einschätzungen zeigen: Die Bearbeitung macht den Kindern Spaß, sie dokumentieren ihr eigenes Tun und lernen aktiv. Das Fahrrad-Tagebuch ist der erste neue Baustein eines Radfahrförderungskonzeptes in der Schule, das durch das Schülerheft “Fahr Rad Mobil” für die Klassen 5-7 in Hamburg ergänzt wird.

Das Team von kinderfahrradladen.de wünscht diesem neuen Projekt viel Erfolg und hoffentlich viele Nachahmer in den Städten und Gemeinden. Eine Evaluation soll 2010 erfolgen.

Nähere Infos und Materialien zum Fahrrad-Tagebuch findet ihr auf dem Hamburger Bildungsserver unter:

http://www.hamburger-bildungsserver.de/verkehrserz/tagebuch/tagebuch.phtml

Für weiteren Kontakt und Fragen wendet Euch an:

Herr  Gunter Bleyer
Behörde für Schule und Berufsbildung, Hamburg
Referat Verkehrserziehung
Hamburger Straße 31
22083 Hamburg
Telefon: +49(0)40/42863-3707
Telefax: +49(0)40/42863-4393
E-mail: gunter.bleyer@bbs.hamburg.de


Suchbegriffe für diesen Beitrag: | | | |

Ratgeber Technik vom 14.04.2007

Wir hatten den Sendebeitrag vorab angekündigt und möchten Euch den Inhalt nun nicht vorenthalten. Die Dreharbeiten fanden übrigens im Radhaus Altona in Hamburg statt. Unser Kollege Rüdiger Holst hatte hierbei zahlreiche Gelegenheiten sich mit den Interviewgästen auszutauschen und einen Eindruck von deren Arbeit zu gewinnen.

Herausgekommen ist ein Beitrag des , der das entscheidende Augenmerk auf die Qualität und Langlebigkeit von und Laufrad legt. Aus unserer Sicht gibt er allen Interessierten einen guten Überblick und auch eine gute Kauf-Orientierung für die ersten Kinderfahrzeuge. Wer sich den Beitrag nochmal anschauen möchte findet hier das Video zur ARD Ratgeber Technik-Sendung.

Den Textbeitrag von Güven Purtul aus dem Ratgeber Technik Redaktionsteam könnt ihr nachfolgend lesen:

Kinder lieben Bewegung

Mit einem fahrbaren Untersatz vergrößern sie ihren Aktionsradius und tun gleichzeitig etwas für ihre Intelligenz. Längst hat die Wissenschaft bewiesen, wie wichtig Mobilität für die geistige Entwicklung von Kindern ist. Doch womit startet die Karriere der angehenden Radler am besten? Die Auswahl ist groß, es gibt “Hobel” für alle Altersklassen: vom Dreikäsehoch bis zum Teenager. Für die Allerkleinsten bieten zahlreiche Hersteller fahrbare Untersätze an, mit denen sich Bewegung spielerisch erfahren lässt. Neben Klassikern wie dem Bobby Car gibt es zahlreiche Modelle, mit denen Kleinkinder die Wohnung erkunden können. Mit dem “Wutsch” bietet Puky neuerdings ein Laufrad mit vier Rädern an. Doch außer beidfüßigem Abstoßen lernen die Kleinen auf solchen Fahrzeugen nicht viel, meint Professor Volker Briese, Fachreferent für Verkehrpädagogik beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC). Grund: Sie trainieren ihren Gleichgewichtssinn damit kaum.

Los geht es mit dem Laufrad

Experten sind sich einig: Den besten Einstieg ins Radlerleben mit dem größten Lerneffekt bietet das Laufrad. Damit können schon Zweijährige richtig Gas geben. Die motorische Herausforderung ist für dieses Alter perfekt. Als Antrieb und Bremse dienen die Kinderfüße. Spielerisch lernen die Kinder auf den Laufmaschinen das Gleichgewicht zu halten. Damit ersparen sie sich später beim “richtigen” Fahrrad die leidigen Stützräder.

Laufräder machen auch das Dreirad überflüssig und sind ein guter Ersatz für Kleinkindroller, meint Volker Briese. Ein Laufrad lässt sich einfacher fahren als ein Roller. Letzterer hat jedoch den Vorteil, dass das Abspringen bei brenzligen Situationen leichter fällt.

Da Laufräder als Spielzeug gelten, haben sie keine Straßenzulassung. Deshalb ist keine Sicherheitsprüfung vorgeschrieben. TÜV-Süd und TÜV-Rheinland bieten zwar eine Prüfung für das GS-Zeichen (Geprüfte ) an. Doch kaum ein Produzent lässt sein Laufrad freiwillig testen, da das Geld kostet.

Vorsicht bei Schnäppchen

Doch selbst wenn sie ein solches GS-Zeichen tragen, ist bei Schnäppchen Vorsicht geboten. Im Sommer 2006 rief Tchibo ein Laufrad mit dem Namen “Racing Junior” zurück, das für 50 Euro verkauft worden war. Begründung: “Die Lenkergabel kann bei Gebrauch brechen.” Die Verbindung zwischen Lenkstange und Gabel war mit verschraubten Holzteilen denkbar schlecht gelöst. Das Heikle an diesem Fall: Das Laufrad war durch den TÜV-Rheinland geprüft worden. “Wahrscheinlich hat das Tchibo-Laufrad die Normen erfüllt”, sagt Robert Ziegler vom TÜV-Süd, “die Frage ist, ob die Normen ausreichend sind.”

Dass ein Laufrad keine scharfen Ecken und Kanten haben darf, das versteht sich von selbst – eigentlich. Wichtig ist außerdem die Sitzposition. Bei vielen Laufrädern ist der Sattel zu niedrig eingestellt, so dass Kinder nicht frei fahren. Nur wenn die Beine beim “Anschub” gestreckt werden können, ist die Fortbewegung effektiv. Juliane Neuss vom Fachausschuss Technik des ADFC empfiehlt einen in der Höhe verstellbaren Sattel, damit das Laufrad einige Jahre nutzbar ist. Kritik übt sie am Gewicht vieler Modelle: “Laufräder sind für Kinder ab zweieinhalb bis drei Jahren gedacht. Die Kinder sind sehr leicht, dementsprechend müssen die Räder auch leicht sein. Das heißt: Ein Kind, welches vielleicht 18 Kilo wiegt, sollte kaum mehr als drei bis vier Kilo Laufradgewicht bewegen müssen.”

Leichte Laufräder für leichte Kinder

Das ist am ehesten bei Laufrädern aus Holz gegeben. Ein Klassiker ist z.B. das “Likeabike” Spoky von Kokua mit Luftbereifung und Speichenrädern. Die Sattelhöhe lässt sich in vier Stufen von 32 bis 41 Zentimeter Höhe einstellen. Mit 3,3 Kilo ist das Spoky leicht, allerdings ist es mit circa 150 Euro auch vergleichsweise teuer.

Es gibt deutlich günstigere Modelle wie das Puky LR1 für knapp 70 Euro. Das bietet einen tiefen Einstieg und ein Trittbrett für sicheres Auf- und Absteigen. Das Stahllaufrad wiegt mit 4,8 Kilo aber deutlich mehr als das Spoky aus Holz.

Es gibt noch schwerere Modelle, wie das “Rennrad” von Development Engineering. Dessen Vorteil: Ist der Gleichgewichtssinn ausreichend geschult, lassen sich mit wenigen Handgriffen Tretkurbeln und Pedale montieren. Doch kombinierte Laufmaschinen, die sich später zum Fahrrad umrüsten lassen, sind häufig schwer und deshalb für Zwei- bis Dreijährige eigentlich nicht geeignet. So wiegt das “Rennrad” schon ohne Pedale circa sieben Kilo. Kostenpunkt: 199 Euro.

Ab vier Jahren: Spielrad

Ist der Gleichgewichtssinn ausreichend geschult, wird es Zeit für das erste Spielrad. Das sind Fahrzeuge, die “üblicherweise zum spielerischen Umherfahren im Vorschulalter” benutzt werden. Die Ausstattung ist : Rücktritt- und Vorderradfelgenbremse, geschlossener Kettenkasten aus Kunststoff, hoher Lenkerbügel, Reifengröße von 12 bis 18 Zoll. Der Rahmen sollte einen tiefen Durchstieg ermöglichen.

Zusätzliche Komponenten wie eine Gangschaltung würden das Kind nur ablenken. Unter acht Jahren haben Kinder Schwierigkeiten, mehrere Bewegungsabläufe miteinander zu koordinieren. Deshalb sollen die Kinder zunächst lernen, in die Pedale zu treten und gleichzeitig die Balance zu halten. Auch die Nutzung der Bremsen statt der Füße ist eine neue motorische Herausforderung. Eine Lichtanlage benötigen Spielräder nicht, da sie üblicherweise nur am Tage auf Spielflächen genutzt werden.

“Stützräder machen lernpsychologisch überhaupt keinen Sinn”, sagt Fahrrad-Experte Gunnar Fehlau, “auf dem Laufrad lernt man den Gleichgewichtssinn perfekt und würde den dann auf einem Fahrrad mit Stützrädern wieder verkümmern lassen.” Gleichgewicht ist eine dynamische Angelegenheit und lässt sich nicht statisch erlernen. Durch Stützräder würde der Lernprozeß unnötig erschwert. Dennoch stehen Spielräder im Laden häufig mit Stützrädern herum. Der Grund ist, dass die Räder so problemlos von den Kleinen getestet werden können. Nach dem Kauf sollten die Eltern sie jedoch so schnell wie möglich abschrauben.

Kaufkriterien für das erste Kinderfahrrad

Der Rahmen sollte einen niedrigen Durchstieg haben, damit das Kind leicht Auf- und Absteigen kann. Die Sattelhöhe muss so einstellbar sein, dass beide Füße den Boden erreichen. Gelingt das nur mit den Fußspitzen, obwohl sich der Sattel ganz unten befindet, ist der Rahmen zu groß. Zu klein ist er, wenn die Sattelstütze über die Begrenzungsmarkierung herausgezogen ist und dabei beide Füße auf dem Boden aufstehen. Zur Überprüfung der Rahmengröße sollte das Kind Probesitzen.

Kinderräder werden zwar niedrig gebaut, “doch leider auch viel zu kurz”, meint Juliane Neuss. Sie demonstriert das an einem Spielrad, indem sie den Lenker komplett einschlägt, so dass das Lenkerende über den Sattel reicht. “Wenn das Kind jetzt hier auf dem Sattel sitzt, dann kriegt es den Lenker in den Bauch”, kritisiert Neuss. “Das müsste nicht sein, wenn der Lenker zehn Zentimeter weiter weg wäre, dann würden auch die Kinder wirklich entspannt auf dem Rad sitzen.”

Kinderstraßenrad

Das Kinderstraßenrad ist das erste verkehrstaugliche Gefährt für kleine Radler. Es hat mindestens 20-Zoll-Reifen, einen Stahlrahmen mit herabgesetztem Durchstieg, eine Drei-Gang-Nabenschaltung mit Rücktritt, einen einfachen Klappen-Gepäckträger, Schutzbleche und eine Lichtanlage mit Seitendynamo. Damit wiegt es etwa zwei Kilogramm mehr als ein Spielrad.

Günstige Kinderfahrräder sind oft von geringer Qualität. Selten bauen Hersteller extra Teile, die für Kinder geeignet sind. Beispiele sind zu lange Tretkurbeln, die zu einer schlechten Beinhaltung führen oder Bremsgriffe, die für kleine Kinderhände viel zu groß sind. Das kann sich im Ernstfall fatal auswirken.

LKW-Bremsen im Kleinwagen

Ebenso problematisch sind zu scharfe Bremsen. So haben V-Bremsen ein Hebelverhältnis für 28 Zoll, “überbremsen” aber bei 20-Zoll-Rädern. Da macht ein Kind bei Vollbremsung leicht einen “Abflug” über den Lenker. Den Herstellern ist nicht mal ein Vorwurf zu machen, denn die Vorschriften sind widersinnig: Ab einer Sattelhöhe von 635 Millimetern gelten Kinderräder normativ als Erwachsenenräder. Deshalb gilt die DIN 14764 nicht nur für City- und Trekkingfahrräder, sondern auch für Kinderräder mit 20-Zoll-Reifen. Die Folge: Kinderräder müssen eine Bremsverzögerung erreichen, die für ein Gesamtgewicht (Fahrer plus Rad) von 100 Kilo reichen würde. “Das ist, als ob man LKW-Bremsen in einem VW-Golf verbauen würde”, meint der Fahrrad-Sachverständige Dirk Zedler.

Weiteres Problem: Eltern kaufen Kinderräder häufig zu groß – zum Reinwachsen. Immer wieder stellen Verkehrserzieher fest, dass die Fahrräder der Kleinen nicht altersgerecht sind. Das gilt vor allem für die beliebten – weil billigen – Räder aus dem Supermarkt. Die glänzen zwar durch allerlei “optischen Schnickschnack”. Eine Federung etwa sieht zwar wichtig aus, ist aber nur unnötiger Ballast, denn auf das geringe Gewicht eines Kindes spricht sie in der Regel gar nicht an. Mit derart unnötiger Ausstattung aufgemotzte Kinderräder wiegen nicht selten an die 20 Kilo und damit zuweilen mehr als die Räder der Eltern, kritisiert Juliane Neuss.

Lieber mitwachsen statt reinwachsen

Deshalb entwickelte sie vor einigen Jahren gemeinsam mit der Firma Patria das Skippy, ein Kinderrad mit tauglichen Komponenten, das mit Vollausstattung inklusive stabilem Gepäckträger 13,5 Kilo wiegt. Das Besondere am Skippy: Es wächst mit seinem Besitzer und zwar nicht nur in der Höhe. Zieht man den Sattel aus, vergrößert sich auch dessen Abstand zum Lenker. Grund: Die Winkel von Sattel- und Lenkerrohr sind unterschiedlich.

Damit eignet sich das Skippy für einen großen Altersbereich. Schon Fünfjährige kommen problemlos mit den Füßen auf den Boden, und eine bequeme Haltung lässt sich bis zu einem Alter von zehn Jahren einstellen. Aber diese Flexibilität kostet mehr als eine Kleinigkeit: Erhältlich ist das Skippy ab 542 Euro, immerhin voll ausgestattet.

Auch die Firma Velotraum baut Räder mit speziell für Kinder entwickeltem Rahmen. Noch leichter als das Skippy, aber mit mindestens 618 Euro auch noch teurer. Eine hochwertige Ausstattung und geringes Gewicht haben eben ihren Preis.

[Quelle: NDR, Ratgeber Technik, Güven Purtul]


Suchbegriffe für diesen Beitrag: | | | | | |

Nächste Seite »